Informationen über ein EU-Beitrittsland – Bulgarien

Mein Buch „Die neuen Dämonen“ ist nur in der bulgarischen Sprache erhältlich, da sich in Deutschland kaum jemand für Bulgarien (wie für andere Balkanländer) interessiert. Es löste bei der Vorstellung in Sofia, im November 2008, eine heftige und teilweise wütende politische und mediale Diskussion in Bulgarien aus.

Ich erhielt nach den turbulenten Tagen in Sofia viele Zuschriften enttäuschter und verzweifelter bulgarischer Bürger und Bürgerinnen. Sie hofften, dass es endlich demokratische Freiheiten und Gerechtigkeit in Ihrem Land geben würde. Doch sie haben den Glauben daran inzwischen verloren, weil sie ohnmächtig sind. Gleichzeitig erlebte ich in Sofia ungewöhnlich viel Hass und Unverständnis. Das konnte jedoch nicht die Stimmen derjenigen übertönen, die sich als kritische bulgarische und gleichzeitig europäische Bürger zu Wort meldeten. Dazu gehörte der angesehene Publizist Milen Radev. Er schrieb in einem Beitrag für das unabhängige Internetportal Mediapool: „Ihr Beitrag besteht darin, dass Sie in schriftlicher Form wiedergegeben haben was der Bulgare hinter vorgehaltener Hand redet, was halblaut erzählt wird, und was die Menschen vermeiden, es am Telefon auszusprechen: Die Wahrheit über die postkommunistische Realität, die jedem in diesem Land bewusst ist. Sie ist nun zwischen zwei Buchdeckeln gefangen und kann schwer vernichtet werden.“ Ich erinnere mich an das Schreiben einer bulgarischen Staatsbürgerin über die Zustände in Stadt Stara Zagora, mit den dortigen gravierenden Umweltverschmutzungen durch das privatisierte Kraftwerk. In der Umgebung von Stara Zagora befindet sich ein streng abgeschirmtes Militärgelände. Dort wurden am Ende des Kommunismus Waffen vernichtet. Nach Angaben einer parlamentarischen Sonderkommission der Stadt Stara Zagora seien in den Jahren 2004 und 2005 dort illegal veralte NATO-Waffen, unter anderem hochgiftige Raketentreibstoffe, beseitigt worden sein. Das Geschäft betrieben demnach Generäle aus Bulgarien, der Türkei und Italien. Erschüttert hatte mich ein Bericht aus Varna. Im dortigen Elendsghetto der Roma werden Babys verkauft und junge Mädchen zur Prostitution gezwungen. Keiner interessiert sich dafür – weil sie Roma sind. Übrigens beträgt nach einer im September 2008 veröffentlichen Studie der jährliche Umsatz des illegalen Frauenhandels mit bulgarischen Frauen europaweit etwa 900 Millionen Euro. Ein grandioses Geschäft also blüht immer noch. Nach der Veröffentlichung haben zahlreiche Leser gefordert, dass das Buch auch in Deutsch erscheinen soll. Daher füge ich als Anlage das Manuskript bei, in dem sicher noch einige Fehler versteckt sind. Aber es enthält eine Vielzahl von Informationen über die poliltischen und kriminellen Strukturen in Bulgarien, die Beteiligung hoher Politiker an kriminellen Geschäften, der Einfluss Russlands in Bulgarien und die Macht der alten Nomenklatura.

Veröffentlicht: April 30th, 2009 · Autor: · Kategorie: Neu, Politische "Eliten" · Tags: · noch kein Kommentar

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